Co-Con­struc­ti­on Work­shops: Ler­nen, über KI zu spre­chen

Wie können unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen in die Diskussion über künstlich intelligente Technologien einbezogen werden? „Zunächst einmal, indem sie lernen, überhaupt darüber sprechen zu können und Fragen zu stellen“, fasst es Dr. Nils Klowait aus dem Ö-Projekt des TRR 318 zusammen. Eine Plattform dafür sind die Co-Construction Workshops (CCWS), die in der ersten Förderphase (2021-2025) des TRR 318 entwickelt und mit vielfältigen Gruppen erprobt wurden.

Eine gemeinsame Sprache für KI entwickeln

Das Ziel der CCWS ist es, Menschen aus unterschiedlichsten Lebensbereichen zu befähigen, sich kritisch, persönlich und produktiv mit Künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen. Statt Expert*innenwissen „top-down“ zu vermitteln, schaffen die Workshops einen Raum, in dem Teilnehmende ihre eigenen Perspektiven, Erfahrungen und Fragen einbringen können. „Die Workshop-Teilnehmenden sind Expert*innen für ihr eigenes Leben und ihre Arbeit. Wir eröffnen nur den Raum, in dem diese Expertise in Bezug zu KI gesetzt werden kann“, erläutert Klowait.

Die Workshops wurden daher nicht als technische Fortbildung konzipiert, sondern als Plattform der ko-konstruktiven Wissensvermittlung. Dabei geht es darum, gemeinsam eine Sprache über KI zu finden, jenseits von Marketingbegriffen oder dystopischen Erzählungen.

Unterschiedliche Formate für unterschiedliche Gruppen

Eingebettet sind die CCWS in das Öffentlichkeitsprojekt des TRR 318, das in der ersten Förderphase von Prof. Dr. Ilona Horwath, Prof. Dr. Carsten Schulte und Prof. Dr.-Ing. Britta Wrede geleitet wurde, mit dem Ziel, in Austausch mit unterschiedlichen Öffentlichkeiten zu kommen. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter, der Techniksoziologe Dr. Nils Klowait und der Informatik-Didaktiker Michael Lenke, entwickelten daher Workshopformate für sehr diverse Zielgruppen: Schulklassen und Lehrkräften, Studierenden, Senior*innen sowie lokalen und internationalen Organisationen und Unternehmen. Entsprechend modular wurden die Workshops aufgebaut.

Während die Schulklassen-Workshops von Michael Lenke darauf ausgerichtet waren, grundlegende KI-Konzepte verständlich und zugänglich zu vermitteln, richteten sich die „Stakeholder-Workshops“ von Nils Klowait an Gruppen, die KI-Technologien bereits aktiv nutzen oder von deren Einsatz betroffen sind, und hatten einen stärker soziokritischen Fokus. „Die Formate beginnen bewusst niederschwellig und bauen auf Vertrauen und wechselseitiger Expertise auf“, so Klowait. „Denn die Teilnehmenden bringen oft langjährige Berufserfahrung und wichtige Perspektiven auf Risiken, Chancen und Auswirkungen von KI mit.“

So wurde etwa in einem Workshop mit der Feuerwehr gleich zu Beginn klargestellt, dass das Forschungsteam keinerlei Expertise im Bereich Feuerwehrwesen besitzt. Die Teilnehmenden brachten daher ihre Berufserfahrung ein und entwickelten gemeinsam mit dem Workshopleiter Perspektiven darauf, wie KI ihre Arbeit unterstützen, aber auch beeinflussen könnte.

Lernerfahrungen mit neuen Fragen

Die Workshops hinterfragten zunächst gemeinsam verwendete Begriffe: Was ist eigentlich KI? Was ist eine automatisierte Entscheidungsunterstützung? Anschließend konnten die Teilnehmenden KI-Systeme selbst testen, zum Beispiel eine Version von ChatGPT, die immer lügt und eine, die absichtlich unhöflich antwortet. So konnten sie unmittelbar erfahren, wie stark das KI-Verhalten von Rollen, Regeln und Kontexten abhängt.

Rückmeldungen erhielt das Team direkt nach den Workshops – oft verbunden mit neuen Fragen. „Viele Teilnehmende berichteten im Anschluss von einem kritischeren, aber realistischeren Blick auf KI, von einer neuen Bereitschaft, Fragen zu stellen und der Fähigkeit, die Diskussion eigenständig fortzuführen“, sagt Klowait.

Beitrag zur Forschung im TRR 318

Viele Teilnehmende gaben Einblicke in ihre Interaktionen mit KI-Systemen, die in mehreren Publikationen des TRR 318 anonymisiert verwendet werden konnten. Die Daten zeigten etwa, dass Erklärprozesse dynamisch verlaufen, das heißt, dass Menschen ihre Interaktion mit KI über die Zeit hinweg anpassen. Außerdem spielte es eine Rolle, ob KI-Systeme körperliche Reaktionen wahrnehmen konnten, was bei aktuellen Systemen wie ChatGPT nicht der Fall ist.

In der zweiten Förderphase werden die Workshops von dem Medienpädagogen Prof. Dr. Dan Verständig weiterentwickelt. Klowait blickt auf inspirierende Jahre zurück: „Unsere Teilnehmenden haben die Workshops aktiv mitgestaltet und geprägt. Ich hoffe, die Erfahrungen aus den Workshops führen auch in Zukunft zu offenen und ko-konstruktiven Gesprächen über KI.“

 

Der CCWS beim Löschzug Elsen.
Der CCWS beim Löschzug Elsen.